Verklärung Christi – Feldberg

Verklärung Christi

Innenraum – Nordwest-Seite – der Kath. Pfarrkirche Verklärung Christi, Feldberg, mit Blick in die Seitenkapelle

Verklärung Christi
Verklärung Christi

Kreuzwegstationen begleiten beim Aufstieg zur Pfarrkirche Verklärung Christi, geschaffen wurden die Bronzeabgüsse vom Bildhauer Heinrich Lückenkötter

Die katholische Pfarrkirche Verklärung Christi in Feldberg, errichtet in den Jahren 1962 bis 1963, steht am Südhang über der B317, die von Titisee-Neustadt nach Feldberg-Ort und weiter nach Todtnau verläuft (Eberlinweg 2, 79868 Feldberg (Schwarzwald)).
Zu Fuß erreicht man die Kirche über einen kurzen Anstieg entlang eines Kreuzwegs vom Parkplatz an der Passhöhe (B317) aus.
Der Parkplatz liegt rechterhand der Straße Passhöhe, kurz nachdem die Straße Seebuck zum Parkhaus Feldberg und zum Feldberger Hof abgezweigt ist.

Das Gotteshaus gehört zur Pfarrgemeinde Feldberg, die Teil der Seelsorgeeinheit östlicher Hochschwarzwald ist. Ihr Patrozinium begeht die Gemeinde am Feiertag der Verklärung Christi, dem 6. August.
Die Kirche ist geöffnet von 9.00 Uhr bis circa 17.00 Uhr.

Die Kirche

Die Kirche ist ein markantes Bauwerk des Architekten Rainer Disse (1928-2008). Er war Sieger des 1960 von Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg ausgeschriebenen beschränkten Architekturwettbewerbs.

Ende der fünfziger Jahre nahm auch der Kirchenbau den Architekturtrend der Profanbauten auf: „Die grazilen, strukturierten Formen wurden allmählich abgelöst durch kräftige, schwere, das Volumen und die Plastizität betonende Gebilde. Eine besondere Rolle spielte dabei der moderne Baustoff Beton, der meist in seiner natürlichen Farbe und Oberfläche gezeigt wurde.“ [Werner Wolf-Holzäpfel, Seite 551]

Verklärung Christi

Blick vom Parkplatz an der Passhöhe auf die Kirche

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Der Turm gesehen von Südwesten aus

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Blick vom oberen Teil des Kreuzwegs aus auf die Kirche

Diesen Trend nahm der Entwurf von Rainer Disse auf und verband ihn mit traditionellen Elemente des Schwarzwaldhauses auf – ein tief heruntergezogenes Dach, dass sich in den Berghang schmiegt. Ihm gelang mit der Kirche der Verklärung Christi „eine ungewöhnlich innovative Lösung und eine vorzügliche Einfügung in die Schwarzwaldlandschaft. Die Strenge der quadratischen Grundkonzeption verband er mit der dynamischen Architekturform einer begehbaren Sichtbetonplastik.“ [Werner Wolf-Holzäpfel, Seite 552]

Für die künstlerische Gestaltung arbeitete Rainer Disse mit dem Bildhauer Franz Gutmann und dem Maler Carl Heinz Wienert (1923-1963) zusammen. Gutmann schuf die Kirchengegenstände: Altar, Ambo, Tabernakel, Taufstein, Osterleuchter sowie die schweren Eingangsportale. Wienert gestaltete die Glasfenster im abstrakten Stil der Konkreten Kunst.

Der Grundriss der Kirche bildet ein Quadrat mit der Seitenlänge von 30 m. Eine seiner Diagonalen verläuft fast in Nord-Süd-Richtung.
Die Nordspitze des Quadrats ist in den Südhang, an dem die Kirche steht, hineingebaut. Umfasst wird sie von den dreieckigen Turmseiten, so dass der Turm nach Süden offen ist, und die drei Glockenstuben unter der Turmspitze sichtbar sind.
Die Südspitze des Quadrats öffnet sich zum Tal und zur Landschaft hin unter dem gewaltigen, überstehenden Dach. Beides ist vom Parkplatz an der Straße Passhöhe aus zu sehen und begleitet die Besucher beim Aufstieg zur Kirche.

Unter der Kirche befinden sich Gemeinderäume.
Den Kirchraum erreicht man von einer Terrasse aus, die ihm vorgelagert ist. Zwei Treppen, eine auf der Südwestseite der Kirche und eine auf Südostseite, führen hinauf zur Terrasse (siehe Foto rechtsoben).

Verklärung Christi

Von der Terrasse aus betritt man die Kirchenraum durch zwei mächtige Eingangs-portale, symmetrisch ange-ordnet auf der Südwest- und Südostseite der Kirche.
Die 2 m breiten Portale wurde nach einem Entwurf von Franz Gutmann gefertigt.
 

Verklärung Christi

Der Kirchenraum

Verklärung Christi

Blick in die "Nordspitze" der Kath. Pfarrkirche Verklärung Christi, Feldberg, mit dem Altarraum

Die Nordwest- und Nordost-Wände des Kirchenraums, ausgeführt in Beton, reichen tief in den Berghang hin-ein. Sie umfassen, dort wo sie zusammentreffen – an der Nordspitze des quadratischen Grundrisses – den fensterlosen Altarraum. In der Ecke der beiden Wände, 12 m über dem Boden, leuchtet ein vertikales, farbiges Lichtband. (Foto oben).

Altarraum

Der quadratische Grundriss des Altarraums ist über der Diagonalen des quadratischen Raumgrundrisses ausgerichtet. Drei quadratische Sockel mit abnehmender Größe bilden drei Stufen, die zum Altar führen. Auf dem obersten Socke stehen der Altar – ein Granitblock aus dem Schwarzwald auf einem 15 cm hohen Betonsockel, der Ambo – geschmiedet aus Eisen, ein offenes Buch andeutend – und ein Kreuz mit Corpus – geschaffen um 1380 in Graubünden. Ambo und Kreuz stehen an den Ende der Diagonalen, die von der linken zur rechten Ecke des Altarquadrats verläuft. Der Altar steht im Schnittpunkt beider Diagonalen des Quadrats.

Altarraum
Altarraum
Altarraum

Die Südost- und Südwest-Wände des Kirchenraums öffnen sich durch durchsichtige und teilweise farbige Glasfenstern, eingesetzt in einem großzügigem Raster von horizontalen und waagrechten Betonstreben, zur Schwarzwaldlandschaft hin.

Verklärung Christi
Verklärung Christi
Verklärung Christi

Zur Idee dieser Fensterfronten führt der Architekt aus: „Der Betrachter, noch gefangen durch die verinner-lichende Atmosphäre des Raums, soll beim Verlassen der Kirche die Landschaft erleben, die durch die klaren Fenster in die Kirche ein-bezogen wird. Diese durchsichtigen Fenster werden durch starke freudige Farbsymbole wieder erschüttert. Die Farbe ist hier der einzige Aspekt über die Natur hinaus und gegen die Natur gestellt; sie soll auf Wichtigeres und Höheres hinweisen und den Besucher dem irdischen entrücken.“ [Günther Hirt, Seite 16/17]

Bei der Gestaltung der farbigen, abstrakten Glasflächen ließ sich der Künstler Carl Heinz Wienert von dem Offenbarungsereignis „Verklärung Christi“, wie es beim Evangelisten Matthäus beschrieben wird, inspirieren.

Taufraum

Dort wo die beiden Fensterfronten des Kirchenraums sich treffen befindet sich der Taufraum (Baptisterium). Taufstein – aus Granit – und Osterleuchter – aus Eisenguss – sind von Franz Gutmann gestaltet.

Verklärung Christi
Verklärung Christi

Über dem Taufraum unter dem Dachfirst befindet sich die Orgel, darunter auf einer quadratischen Sängerempore steht der Orgelspieltisch.

Jenseits des Altarraums sind den beiden Außenwänden Mauern aus Feldstein vorgelagert. Hinter ihnen befindet sich auf der Nordostseite die Sakristei und auf der Nordwestseite die Seitenkapelle (Eingangsfoto der Seite).

Apostelleuchter

Zum Altar hin befinde sich auf beiden Feldsteinmauern jeweils drei geschmiedete Eisenleuchter – Apostelleuchter, gestaltet von Franz Gutmann. Sie erinnern an die drei Jünger, welche der Verklärung Christi miterlebten.

Verklärung Christi
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Seitenkapelle

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Zwischen der nordwestlichen Außenwand der Kirche und der inneren Feld-steinwand des Kirchenraums ist ein persönlicher Andachtsraum eingerichtet, zudem man durch ein offenes Portal vom Kirchenraum gelangt. Er öffnet den Blick auf eine Madonna, zu ihren Füßen einen Tisch für Opferkerzen.

Die Madonna mit Kind ist eine nieder-rheinische Arbeit aus dem 17. Jahrhundert.

In Längsrichtung der Kapelle öffnet sie sich zum Altarraum hin. Von ihm ist sie durch die Panzerglasscheibe getrennt. Durch sie nimmt man das Tabernakel war, zudem hin die Kapellenbänke ausgerichtet sind. Geschaffen ist es von Franz Gutmann in einer dreieckigen Zeltform.

Historische Hinweise

1889Errichtung der Kapelle „Maria Rast“ des Hotels „Feldberger Hof“, dieser Betrieb initiierte den
Feldberg-Tourismus und damit die Entwicklung bis zur heutigen Gemeinde Feldberg.
1925Bau des Caritas-Hauses und seiner Herz-Jesu-Kapelle, sie wird für die Messfeiern der Katholiken
am Feldberg genutzt.
1939Gründung der politischen Gemeinde Feldberg
1959Einrichtung einer selbständige katholische Pfarrkuratie
1962Beginn der Bauarbeiten für die Pfarrkirche „Verklärung Christi“
1965Weihe der Pfarrkirche durch Erzbischof Hermann Schäufele am 28. August
1988Schenkung des Kreuzwegs, geschaffen vom Bildhauer Heinrich Lückenkötter, ursprünglich
geschaffen für eine Kapelle in Oelde, Westfalen, zu Beginn des zweiten Weltkriegs.
2006Die Gemeinde Feldberg gehört zur Seelsorgeeinheit Östlicher Hochschwarzwald.

Links und Literatur

Oktober 2019

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