St. Blasius – Buchenbach

St. Blasius

Kath Pfarrkirche St. Blasius, Buchenbach, gesehen von Süden von der Kreuzbergkapelle

St. Blasius

Die katholische Pfarrkirche St. Blasius in Buchenbach, errichtet in der heutigen Form in den Jahren 1898 bis 1901 im Stil des Historismus (Neugotik), steht nahe der Durchgangsstraße durch den Ort Buchenbach zwischen der Hauptstraße und dem Wagensteigbach. Ausgerichtet ist die Kirche fast in West-Ost-Richtung mit dem Chor auf der Ostseite. Haupteingang und Turm befinden sich auf der Westseite. Umgeben ist sie vom Kirchenvorplatz auf der Westseite und dem Buchenbacher Friedhof auf den drei anderen Seiten.

Schutzherr der Kirche ist der hl. Blasius und als zweite Kirchenpatronin die hl. Agatha.

St. Blasius

Chor-Aussenseite

Das Gotteshaus bildet das religiöse Zentrum der Pfarrgemeinde St. Blasius. Die Gemeinde umfasst die vier Ortsteilen Buchenbachs (Buchenbach-Kernort, Falkensteig, Unteribental, Wagensteig). Die Pfarrgemeinde ist Teil der Seelsorgeeinheit Dreisamtal. Das Pfarrbüro der Pfarrgemeinde befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite der Hauptstraße im Haus Nr. 26.
Die Kirche ist geöffnet von 8.00 Uhr bis circa 18.00 Uhr

Geplant als Erweiterungsbau der ehemaligen klassizistischen Pfarrkirche von 1811 wurde der heutige Bau 1897 vom Baudirektor Max Meckel des Erzbischöflichen Bauamts Freiburg entworfen. Die Weihe des neugestalteten und erweiterten Gotteshauses durch Erzbischof Thomas Nörber erfolgte am 20. Oktober 1901.

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Der Turm

Der Turm, errichtet an der Südwestecke der Kirche, mit einer Höhe von 36 m trägt vier Glocken. Sie wurden 1951 in der Heidelberger Glockengießerei F.W.Schilling gegossen und am 20. Mai 1951 geweiht. Auf der Website der Glockeninspektion des Erzbistums Freiburg kann man sich das Geläut anhören.

Turm und Kirche von Westen gesehen

Der Eingangsbereich unter der Empore

In die Kirche tritt man über den Südwesteingang, neben dem Turmeingang, oder über den Haupteingang im Zentrum der Westseite des Gotteshauses.

St. Blasius
St. Blasius

An der rechten Langhauswand auf der Seite des Südwest-eingangs sieht man den hl. Märtyrer Sebastian. Es ist eine „ausgezeichnete Rokoko-Arbeit um 1760 von der Hand des Freiburger Bildhauers Xaver Hauser“ [Manfred Hermann, Seite 27].

St. Blasius
St. Blasius

An der Stirnseite des Langhauses gestaltete der Kunstmaler Edzard Seeger aus München die beiden zweibahnigen Fassaden-Fenster rechts und links vom Haupteingang bei der Kirchenrenovierung 1963-1967 neu.
Das südwestliche beim Seiteneingang zeigt die Taufe Jesu im Jordan und seinen Taufbefehl. Das andere Fenster „die Reue von König David nach dem Ehebruch und Mord, ferner die Reue des Petrus nach Verrat an seinem Freund und Meister“ [Manfred Hermann, Seite 20].

Zum Kirchenraum hin wird der Eingangsbereich durch „drei profilierte Scheidbögen, die auf Achtecksäulen und seitlichen Konsolen ruhen“ [Manfred Hermann, Seite 14] abgegrenzt.

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Das Langhaus

Das Langhaus erhält seine „gotische“ Höhe und Weite nicht nur durch Spitzbögen sondern vor allem durch den nach oben bis unters Dach geöffnete Raum und die gemalte Gliederung der Seitenwände durch waagrechte Bänder: über der dunkleren Sockelzone die helle Wände mit den Fensternischen in ihrer braunroten Rahmung.

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Blick in die Pfarrkirche St. Blasius, Buchenbach

Schutzheilige

An der rechten, südlichen Langhauswand zwischen den Spitzbogenfenstern fanden die beiden Kirchen-patrone St. Blasius und Agatha nach der Renovierung 2000 ihren Platz.

St. Blasius
St. Blasius
St. Blasius

Der Kloster-Bildhauer Matthias Faller schuf um 1760 die barocken Bischofsfigur des Hl. Blasius. Sie stammt aus dem Raum um Freiburg. Der 180 cm hohen Figur wurde ein Putto mit gekreuzten Kerzen beigeben.

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Von einem unbekannten Künstler stammt die 190 cm hohe Figur der hl. Agatha mit Märtyrerpalme und abge-schnittenen Brüsten auf einem Tablett, geschaffen wohl um 1750/60.
[Informationen von Manfred Hermann, Seite 20]

vor dem Chorbogen

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Kanzel; im Hintergrund an der Wand eine der 14 Kreuzwegtafeln der Kirche, geschaffen in der Werkstatt der Gebr. Metzger, Überlingen

An der linken, nördlichen Langhauswand, vor dem Chorbogen, führen Stufen hinauf zur Kanzel in Form und Gestalt des Jahres 1901 im neugotischen Stil.

Nicht mehr „überlebt“ haben die Neugestaltung bzw. Innenreno-vation der Kirche 1963/67 der Kanzeldeckel und die steinern Stufen zur Kanzel. Ziel dieser Umgestaltung war eine „Puri-fizierung“ des Kirchenraums. So blieben zum Beispiel die Seiten-altäre nach Beschluss des Stiftungsrats der Gemeinde zwar erhalten, man „entfernte aber das Filial- und Türmchenwerk, überhaupt die gesamte farbige Fassung. Die Seitenaltäre ent-kleidete man völlig des Rahmenwerkes und beließ nur noch das Altarbild“. [Informationen von Manfred Hermann, Seite 18ff] Bei der Innen-Erneuerung im Jahr 2000 war das Hauptziel die Rückgewinnung des Kircheneindrucks und -stils aus der Zeit um 1900. Daher erhielten auch die Seitenaltäre wieder ein Rahmenwerk.

Seitenaltäre

Beide Seitenaltäre wurden 1903 von der Altarbauwerkstätte „Gebr. Metzger“ aus Überlingen geliefert: an der linken äußeren Chorwand „Mariä Krönung“ an der rechten „Tod des hl. Josef“.

Mariä Krönung
Seitenaltar auf der "Frauenseite", der linken, nördlichen Seite des Chorbogens
 

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Tod des hl. Josef
Seitenaltar auf der "Männerseite", der rechten, südlichen Seite des Chorbogens
 

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Weltgericht über dem Chorbogen

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Auf der Stirnseite des Langhauses gestaltete 1903 der Freiburger Künstler Fritz Geiges das Weltgericht auf blauem, sternbesätem Himmel „in der Art des niederländischen Malers Rogier van der Weyden, wie er es für das Hospital „Hotel Dieu“ in Beaune … gemalt hatte (1443)“ [Informationen von Manfred Hermann, Seite 15ff].

Weltgericht:
In der Mitte auf einem Regenbogen thronend Christus als Richter, zu seinen Füßen die Weltkugel; an seinen Seiten knien anbetend Marie und Johannes der Täufer.

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Zur Rechten des Richters als Zeichen der Begnadigung die weiße Lilie und das Textbanner „Kommet ihr Gesegneten meines Vaters“, zu seiner Linken als Zeichen der Verurteilung das Schwert und das Textbanner „Weichet von mir, ihr Verfluchten“.

Das Weltgericht, verdeckt durch die tiefergelegte Decke der Kirchenrenovation 1963/67, kam erst bei der Renovation im Jahr 2000 wieder zu Tage, als man die Decke öffnete. „Auf Grund alter Fotos mussten die drei großen Gestalten mitsamt dem Wolkenfries und den kleinen posaunenblasenden Gerichtsengeln … ergänzt werden. Nicht wieder darbieten wollte man in den seitlichen Zwickeln die aus den Gräbern aufsteigenden Toten und den Höllendrachen der Gegenseiten.“ [Informationen von Manfred Hermann, Seite 21]

Chorraum

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Chorbogen und Chor der Pfarrkirche St. Blasius, Buchenbach

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Der Eindruck des Chorraums, ein Neubau von 1900, wird bestimmt durch den Hochaltar und durch ein aufragendes Gewölbe, gebildet von den deutliche profilierten Rippen, die in einem Schlussrund zusammentreffen. Akzentuiert wird die Höhe des Raumes zudem durch das Licht der drei Chor-Fenster und die warmen Wandfarben.

Im vorderen Teil des Chors steht zentral der schlichte Zelebrationsaltar und rechts davon der Ambo. Beide, ebenso wie der Taufstein außerhalb des Chors vor dem Josefs-Seitenaltar, geschaffen von dem Ibentäler Steinmetz Daniel Rösch.

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Das dreibahnige Mittelfenster hinter und über dem Hochaltar zeichnet einen Gnadenstuhl Gottes im Wolkenkranz: Gottvater zeigt „seinen am Kreuz geopferten Sohn den Menschen als Zeichen der Erlösung“. Dies ist eine besondere Form der Dreifaltigkeitsdarstellung, die ausgehend im 12. Jahrhundert von Frankreich bis ins 16. Jahrhundert vorherrschende Dreifaltigkeits-darstellung blieb: „Der thronende Gottvater hält vor sich mit beiden Händen den Kruzifixus.“ [Kindlers Malerei Lexikon, Bd. 13, S. 248].

In der Buchenbacher Darstellung sitzt der gekrönte Gottvater auf einem stilisierten Regenbogen vor blauem Himmel, die Füße auf einer Erdenkugel, die durch ein Wolkenband vom Himmel getrennt ist. Über dieser Doppelfigur schwebt eine Taube, Symbol des Heiligen Geistes.

In den Seitenbahnen sind die vier Evangelisten dargestellt: links St. Matthäus als Engel, darunter St. Markus als geflügelter Löwe; rechts St. Johannes als geflügelter Adler, darunter St. Lucas als geflügelter Stier. [Manfred Hermann, Seite 16]

Hochaltar

St. Blasius

Hochaltar der Pfarrkirche St. Blasius, Buchenbach, von 1902/03. Die Farbfassung stammt aus dem Jahr 2000, indem das Kircheinnere renoviert wurde.

Der Hochaltar, 1902 bestellt und vermutlich im Juni 1903 aufgestellt, hat, ebenso wie die Seitenaltäre, eine bewegte Geschichte hinter sich. Gestaltet in der Zeit des Historismus als prachtvolles Ensemble durch die Überlinger Werkstätte für kirchliche Kunst „Gebr. Mezger“, signiert mit „Gebr. Mezger 1903“, wurde er wie die Seitenältare in den Jahren 1963/67 „purifiziert“ und verlor seine farbliche Umrahmung und den Sockel. Erst bei der Rückgewinnung des gotischen Raumeindrucks, der Innen-Renovation im Jahr 2000, stelle der Restaurator Joh. Berger, Bad Krozingen, die Farbfassung wieder her. Das ehemals reiche Gesprenge ging verloren.

St. Blasius

Im Zentrum des Altars sieht man eine Kreuzigungsgruppe auf tiefblauem Hintergrund, sie ergänzt das Gnadenstuhl-Fenster dahinter. Auf den begleitenden Darstellung, auf den Flügeln des Altars, wird das Leiden Jesu weiter entfaltet: durch „die Reliefs einer Ölberggruppe links und der Kreuztragung rechts von der Kreuzigungsgruppe, die Reliefs der Innenseiten der beweglichen Flügel mit der Geißelung links und der Dornenkrönung rechts sowie die Gemälde der Außenseiten der beweglichen Flügel mit der Kreuzabnahme und der Grablegung.“ [Wikipedia, St. Blasius (Buchenbach)]

St. Blasius
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Details

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Die oberen Ausschnitte sind der Ölbergszene entnommen.
Die rechten Ausschnitte sind der Szene entnommen, in der Jesus das Kreuz trägt. Ein interessanter Aspekt wird bei dem linken Ausschnitt deutlich. Der Mann, der Jesus beim Tragen das Kreuz unterstützt, hat vom Künstler das Aussehen eines Mönchs bekommen.

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Unter der Kreuzigungsgruppe hat das Tabernakel seinen Platz bekommen. Die Tür trägt die allegorische Figur des Pelikan. Er pickt sich die Brust wund, um seine Brut zu nähren. Thomas von Aquin (1225-1274) formuliert dazu: „Frommer Pelikan, Herre Jesus, reinige mich Unreinen durch dein Blut, davon ein Tropfen erlösen kann die ganze Welt von jeder Sünde.“

Empore und Emporenbrüstung

St. Blasius
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In den Zwickeln der Scheidbögen, welche die Emporenbrüstung tragen sind die Patrone der Kirchenmusik – die hl. Cäcilia mit Organon und König David mit Harfe – sowie Schriftbänder auf hellem Grund abgebildet.

St. Blasius
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Diese Ausmalung stammt aus dem Jahr 1902 und wurden 2000 von Johannes Berger aus Bad Krozingen rekonstruiert.

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St. Blasius, Buchenbach: Blick ins Langhaus in Richtung Empore mit der Orgel

Auf der Empore steht seit März 2001 eine Orgel mit zwei Manualen und 25 Registern, die durch die Orgel-Werkstätte Peter Mönch, Überlingen, aufgestellt wurde. Zusätzlich zur Orgel erhält die Empore ihren eigenen Charakter durch die mit kleinen Blüten und Lilien ausgemalte Rückwand und dem Spitzbogenfenster.

Historische Hinweise

Karte

1461Erwähnung einer Blasius-Kapelle in Buchenbach
1786Gründung der Pfarrei Buchenbach wird
beschlossen
1811Am 12. Mai Grundsteinlegung einer neuen,
klassizistischen Pfarrkirche in Oberbuchenbach,
am 13. Mai wird die alte Blasius-Kapelle abge-
brochen

Klassizistischen Kirche von 1811 nach dem Plan von Baumeister Johann Weber (1756-1826) und dem Architekten Friedrich Arnold
[Abbildung aus Wikipedia: St.Blasius (Buchenbach)]

Karte

1898Baubeginn einer Neugestaltung der Pfarrkirche im Stil des
Historismus (Neugotik) nach Plänen von Max Merkel, Bau-
direktor des Erzbischöflichen Ordinariats in Freiburg
1901Am 20. Oktober Konsekration der neugestalteten und er-
weiterten Pfarrkirche durch Erzbischof Thomas Nörber
1942Abgabe von drei Glocken zu Kriegszwecken
1951Weihe von vier Glocken der Heidelberger Gießerei
F.W.Schilling

Inneres der Kirche im Stil des Historismus, Foto um 1910
[Abbildung aus Wikipedia: St.Blasius (Buchenbach)]

Karte

1963/67Innenrenovation der Pfarrkirche unter Leitung
des Erzbischöflichen Bauamts Freiburg nach den
Grundsätzen des Zweiten Vatikanischen Konzils

Inneres der Kirche nach der Anpasssung an den damaligen Zeitgeist – ein Raum ohne ablenkendes Beiwerk,
ganz zentriert auf den Altarraum, Foto um 1970
[Abbildung aus Wikipedia: St.Blasius (Buchenbach)]

2000Beginn einer Innenrenovation zur Rückgewinnung des alten, neugotischen Raumbildes. Neuer
Taufstein, Ambo und Zelebrationsaltar des Steinbildhauermeisters Daniel Rösch, Buchenbach-
Unteribental.

Links und Literatur

November 2019

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