St. Carolus Waldsee – Freiburg-Waldsee

St. Carolus

Jugendstilvilla "Landhaus Schenk" (1905/1906) – In der Villa hat heute der Kindergarten St. Carolus Waldsee sein Zuhause, gesehen vom Ende des Wegs zwischen den Häusern 94 und 96 der Schwarzwaldstraße. Auf dem Foto rechts der Kapellenanbau von 1936.

In Freiburg-Waldsee, versteckt zwischen der südlichen Häuser-zeilen der Schwarzwaldstraße und der nördlichen der Hans-jakobstraße, steht eine der schönsten Jugendstilvillen Freiburgs hinter dem Gasthaus „Schiff“. Seit mehr als 80 Jahren beher-bergt die Villa den Kindergarten St. Carolus der Pfarrgemeinde
Hl. Dreifaltigkeit.

Der Villeneingang ist über die Schwarzwaldstraße zu erreichen,

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ein Zugang führt von der Hansjakobstraße zum Kindergarten (Foto rechts).

Errichtet wurde die Villa 1905/06 in der Nähe des Gasthauses „Schiff“ auf damals weitgehend freiem Gelände für den Nährmittelfabrikanten Wilhelm Schenk (1859 bis 1930) vom Architekten Martin Dülfer (1859-1942), der auch die zum Haus gehörende, große Gartenanlage gestaltete.

Foto links: Ostansicht – Gartenansicht – der Villa mit Röhrenrutsche

Foto rechts: Südansicht der Villa
 

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Details der Nord-Giebelseite

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Die Giebelseite zeigt typische Elemente des Jugendstils.
Auf dem grünen Giebelgesims sind es die floralen und geome-trische Ornamente, symmetrisch zueinander auf den Gesims-Seiten angeordnet. Das gipfelt im Giebelspitz in einem aus Kreisen gebildeten, offenen Drachenviereck, das eine abstrakt wirkende Frucht einrahmt.
Bei den Säulen an der Außenecke des Balkons auf der Nordwest-ecke der Giebelseite zeigen sich anders gestaltete aber ähnliche Jugendstilmotive. Sie weisen zudem daraufhin, dass der Jugend-stil bestrebt war, sich von der Stilrichtung des Historismus

nördliche Giebelseite, gesehen von der Schwarzwaldstraße aus

– Elemente unterschiedlicher historischer Stilrichtungen zu verschmelzen – abzugrenzen. Hier gestaltet der Architekt auf den runden, grünen Säulen unter dem Dach geometrische Ornamente von der Basis bis zu den Kapitälen. Für die, die Balkonecke stützende Säule, ent-

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warf er eine Säule mit quadratischem Querschnitt, die in ihrem Kapitäl asymmetrisches Blatt-motive zeigen.

St. Carolus
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Details der Gartenseite, Ostseite

Die Südgiebelseite des Gebäudes ist im Gegen-satz zur Nordgiebelseite mit gerundeten Elementen wie Erker und schattengebenden Vorsprüngen lebhafter und aufgelockerter konstruiert. Eine solche Asymmetrie der Gebäude taucht oft in der Jugendstil-Architektur auf. Sichtbar wird dies auch an der Südostecke des Hauses mit dem runden über zwei Stock-

St. Carolus
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werke reichenden Erker und der säulenge-stützten Terrasse unter dem Obergeschoss.
Besonders auffällig sind die nach unten sich spreizenden, herauskragenden, geschindelten Wandflächen, belebt durch diese Form und ihren Schattenwurf.

Südostecke der Villa mit Runderker
und eingelassener Terrasse

Kapellenanbau von 1936

St. Carolus
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Ostseite des Kapellen-Anbaus / Altarraum nach der Renovierung 2010

Historische Hinweise

1905/06errichten des „Landhauses Schenk“ für den Nährmittelfabrikanten
Wilhelm Schenk (1859 bis 1930) durch den Architekten Martin Dülfer (1859-1942) hinter
dem Gasthaus „Schiff“ in unmittelbarer Nachbarschaft seiner Nährmittelfabrik, die 1902 von der
Schwimmbadstraße in die Schwarzwaldstraße 98 (heute das Gebäude mit der Brot-Boutique
H. Faller) gezogen war.
1930Wilhelm Schenk stirbt im Dezember im Alter von 71 Jahren
1931Die Witwe gibt die Villa als Wohnung auf.

Pfarrer Karl Hausch, Pfarrgemeinde Maria-Hilf (Wiehre), erwirbt Villa und Garten für den Verein St. Carolus.
In das Haus zieht der Caritas Direktor, Prälat Alois Eckert, und Schwestern der Franziskanerinnen von Erlenbad. Diese bieten in der Villa für die anwachsende Bevölkerung des Freiburger Ostens Kindergarten, Nähschule und Krankenpflege an. Mit der Schwesterngemeinschaft feiert Prälat Alois Eckert Eucharistie in einem Raum der Villa. Eingeladen. Eingeladen waren dazu auch Anwohner des Waldseegebiets.

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Undatierte Fotos aus dem Bestand von St. Carolus, aufgenommen vor oder kurz nach dem 2. Weltkrieg

„Bemerkenswert und an der Längsseite des historischen Bildes – Foto links – sichtbar ist die große Zahl offener Loggien. Nach Südosten wird vor dem früheren Speisezimmer fast das gesamte Erdgeschoss in eine Veranda aufgelöst. Darüber öffnet sich im ersten Stock ein weiterer, offener Sitzplatz, der zwei Drittel der Fassadenbreite einnimmt und dem ehemaligen Schlafzimmer, dem Herrenzimmer und dem Bad vorgelagert war.“ [Manfred Gallo]
 

1936Anbau der Kapelle, da der Villenraum für die Anzahl der Gottesdienstbesucher zu klein wurde.

1950Errichten der Pfarrkuratie St. Carolus als Teil der Pfarrgemeinde Maria-Hilf. Neben dem Bemühen
um den Gemeindeaufbau wurde auch ein Kirchenneubau angestrebt, da die St. Carolus Kapelle für
die Gemeinde zu klein wurde.
1953Mit der Weihe der Dreifaltigkeitskirche, Hansjakobstaße, gab sich die Pfarrkuratie den Namen
„Hl. Dreifaltigkeit“. 1961 wurde sie schließlich eigenständige Pfarrgemeinde.
2010Umbau und Renovierung des Kindergartens.
Bis zu diesem Jahr fanden in der Kapelle regelmäßig Gottesdienste statt. Der Raum wurde nun
zum Mehrzweckraum des Kindergartens, der Altarraum durch einen Vorhang abgetrennt.

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Februar 2021