Mondfinsternis 23. 9. 2015

Mondfinsternis

Bei der Mondfinsternis am 28. September 2015 trafen drei besondere Ereignisse zusammen:
•  Der Mond trat ganz in den Kernschatten der Erde ein – das wäre schon eine „normale“ totale Mond-

finsternis. Befindet sich der Mond im Kernschatten der Erde leuchtet er trotzdem. Die Erdatmosphäre wirkt nämlich wie eine Linse, die das Licht der Sonne in den Schatten hinein bricht. Hauptsächlich der langwellige, rote Anteil des Lichts erreicht dabei den Mond, nicht hingegen der blaue Lichtanteil. So erscheint der Mond in fahlem roten Licht, daher die Bezeichnung Blutmond.

•  Der Mond befandet sich sehr nahe an der Erde. Dies geschieht einmal in 27 Tagen. Der Mond ist dann

27.000 km näher an der Erde als im Durchschnitt der anderen Tage. Der Mond wirkt daher besonders groß. Ebenso gibt es den entgegengesetzten Tag, an dem der Mond 27.000 km weiter von der Erde entfernt ist als im Durchschnitt.

•  Die Nacht zum 28. September war eine Vollmond-Nacht. Bei Erdnähe und Vollmond spricht man vom

Supermond.

Die Mondfinsternis an diesem Tag war bei klarem Himmel in südwestlicher Richtung in ganz Deutschland zu sehen

Mondfinsternis-Fahrplan am 28. 9. 2015

•  Der Mond geht normal, unverfinster auf.
•  Beginn der Verfinsterung um 3.07 Uhr, der Mond tritt in den Kernschatten der Erde ein.

Mondfinsternis
Aufnahme um ca. 3.17 Uhr
Mondfinsternis
Aufnahme um ca. 3.25 Uhr
Mondfinsternis
Aufnahme um ca. 3.39 Uhr
Mondfinsternis
Aufnahme um ca. 3.58 Uhr

•  Zwischen 4.11 Uhr und 5.24 Uhr befindet sich der Mond im Kernschatten der Erde.

Mondfinsternis

Der Mond im Kernschatten der Erde. Er zeigt sich als "Blutmond" in fahl rötlichem Licht. Aufnahme gegen 4.35 Uhr.

Mondfinsternis
Aufnahme um ca. 5.37 Uhr
Mondfinsternis
Aufnahme um ca. 6.01 Uhr
Mondfinsternis
Aufnahme um ca. 6.17 Uhr
Mondfinsternis
Aufnahme um ca. 6.38 Uhr

•  Ab 6.27 Uhr ist der Mond wieder unverfinstert zu sehen. er ist vollständig aus dem Kernschatten der Erde
   herausgetreten.

Historiche Hinweise

Schon in der Antike war bekannt, das sich Sonnen- und Mondfinsternis in rund 18 Jahren in gleicher Weise wiederholen. Diese Zyklen nennt man Saros-Perioden. Den Namen Saros wählte der Astronom Edmund Halley im Jahr 1691. Eine dem 28. September ähnliche Mondfinsternis ereignete sich am 16. September 1997, die nächste wird es am 8. Oktober 2033 geben. Eine nächste „normale totale“ Mondfinsternis ist schon am 30. Januar 2018 zu sehen.

Rouffach
Rouffach

Sonnenuhr in Rouffach, Elsass – Blutmond über dem Schwarzwald
Die Sonnenuhr an der Franziskanerkirche in Rouffach, geschaffen im 17. Jahrhundert, erklärt bildlich das Zustandekommen einer Mondfinsternis. „Aberglaube und Panik unter der ländlichen Bevölkerung, so darf man annehmen, mögen der Anlass für die lehrhafte Ausgestaltung dieser Sonnenuhr gewesen sein. Eines Tages war der Mond rot. Kupferrot war er über dem Schwarzwald aufgestiegen. Vorzeichen einer Katastrophe?“ [Heinz Schumacher] Die Mönche erklärten damit wohl der ländlichen Bevölkerung das natürlich Zustandekommen der besonderen Mondfinsternis.

„Noch ist die Erde auf dieser schematischen Darstellung als Mittelpunkt der Welt dargestellt. Ihre Achse ist 48 Grad gegen die Horizontale geneigt, was der geographischen Breite von Rouffach entspricht. Die Lage der Wende- und Polarkreise, ferner die Projektionen der Äquatorebene und der Erdbahnebene sind winkelgetreu in die das Weltall darstellende Kreisscheibe eingezeichnet.
Um die noch im Welt-Mittelpunkt stehende Erde kreisen Mond und Sonne, dann in größerer Entfernung in konzentrischen Kreisen folgen die Planeten Mars, Jupiter und Saturn. Indessen umkreisen bereits Merkur und Venus die Sonne, gemäß den von Tycho Brahe (1564 – 1601) verbreiteten Vorstellungen. Man war damals im Rouffacher Franziskanerkloster über den neuesten Stand der Wissenschaft also gut informiert. Den Kreisumfang der Weltscheibe beschließt ein Skalenband mit einer sehr exakten 360-Grad-Teilung. Auf einem dieser Skala zugeordneten Ring sind 42 Fixsterne durch gleichgroße Sternzeichen positionsgetreu angezeichnet, vierzehn von ihnen sind mit ihren lateinischen oder arabischen Namen in radialer Schriftanordnung benannt.

Rouffach
Rouffach

Bei näherer Betrachtung muss auffallen, dass Jupiter in Opposition (von der Sonne aus gesehen, hinter der Erde) und Merkur in unterer Konjunktion (zwischen Erde und Sonne) befindlich dargestellt sind. Auf der 0ppositions- beziehungsweise Konjunktionslinie dieser beiden Planeten zeigt sich der im Erdschatten befindliche Mond noch mit einer schmalen Silbernen Sichel.“ [Heinz Schumacher]
Bei der Darstellung der Rouffacher Sonnenuhr handelt sich um die Mondfinsternis am 16. August 1617. Zu erkennen ist dies an den Position der damals bekannten Planeten und etlicher Fixsterne auf dem Fresko. Die Positionen passen zu diesem August-Datum. Damals ging kurz nach dem Sonnenuntergang der Mond kupferrot über dem schwarzwälder Belchen auf.

Literatur und Links

Februar 2016