Freiburger Kartause in der Zeit vor 2012

Anlage der Freiburger Kartause, Freiburg-Waldsee, gesehen vom Dreisamuferweg aus

Freiburger Kartaus

Klosterhauptgebäude hinter der im Kern mittelalterlichen Umfassungsmauer, gesehen von der Dreisam aus

Auf der Südostseite des Freiburger Schlossbergs unterhalb des Hirzberges liegt das ehemalige Kartäuserkloster „Freiburger Kartause“. Namenspatron des Klosters war Johannes der Täufer. Die Gebäude des Klosters stehen auf einem zirka 10 ha großen Areal, auf dem sich neben Gärten und Wiesen auch ein 1969 erbautes Alten- und Pflegeheim, das Johannisheim, befindet. Eigentümerin ist die Heiliggeistspitalstiftung.

Seit Frühjahr 2011 war bekannt, dass die denkmalgeschützte Kartause zu einem United World College umgebaut werden sollte. Nach wechselvoller Geschichte und unterschiedlichster Nutzung nahm dann im Herbst 2014 das Robert Bosch College, die deutsche Filiale des "United World College", in den alten und den neu errichteten Gebäuden seinen Betrieb auf.
Die Klostergebäude sowie seine Ökonomiegebäude gingen in den Besitz der Robert-Bosch-Stiftung und der Firma Bosch über, das Alten- und Pflegeheim "Johannisheim" und das Gelände sind weiterhin im Besitz der Heiliggeistspitalstiftung.

Gelände und Gebäude vor der Nutzung als „Robert Bosch College“

Hauptgebäude
Der 1753-56 errichtet barocke Konventbau (Prälatur) mit seinen beiden Torpavillons bestimmt den Eindruck der Klosteranlage.
Nutzungs-Situation 2011: Eine Großküche in den Gebäuden versorgt das Johannisheim. Im 1. Stock des Ostflügels der Prälatur ist in den ehemaligen Wohnräumen von Heinrich Hansjakob eine Erinnerungsstätte an ihn untergebracht: "Fast zwei Jahrzehnte besaß der Schriftsteller und Pfarrer Dr. Heinrich Hansjakob (1837-1916) eine Wohnung im barocken Klostergebäude der Kartause, die er sich 1897 im historischen Stil der Neugotik einrichten ließ." [Heinrich-Hansjokob-Gesellschaft e.V.]

Freiburger Kartaus
Freiburger Kartaus
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Eingangsbereich zum ehemaligen Klosterkomplex mit dem Haupttor zum Hof der ehemaligen Prälatur, errichtet in den Jahren 1753 – 1756, und der Statue des Kloster-Namenspatrons, der Eremit Johannes der Täufer

Freiburger Kartaus
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Foto links: Prälatur, Mittel- und Ostflügel mit Eingang zu den Heinrich-Hansjakob-Stuben

Foto rechts: Prälatur, Mittel- und Westflügel
 

Klosterkirche

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Foto links: Chor der ehemaligen Klosterkirche

Fotos ganz links und unten: Chor-Dachreiter mit Detailansichten
 

Freiburger Kartaus
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Gartenanlage (Küchengarten)

Freiburger Kartaus
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Blick über die Gartenanlage, den "Kuchlgarten", er lieferte ehemals Gemüse und Kräuter für die Klosterküche
im Hintergrund rechts das "Stromschlössle" und in der Mitte das "Sägerhaus"
 

Das Ehepaar Eva-Maria Schüle und ihr Mann Wolfram Seitz-Schüle kümmerten sich um den "Kuchlgarten", der einstigen Anbaufläche für die Klosterküche. Sie schufen ein Stück Bio-Gartenkultur samt Engelwurz für Likör wie bei den Mönchen. Städter halfen und lernten im Idyll, freitags stand ihnen die Gartentür offen, zudem gab Eva-Maria Schüle Kurse für Schulgruppen.
Auf der Süd-Mauer liegt eine nackte Frauenfigur von Holzkünstler Thomas Rees, ihr gab Eva-Maria Schüle Asyl. [siehe: Simone Höhl: Leben im Idyll, BZ 28.5.2011]

Die Regenfrau: Holzskulptur von Thomas Rees auf der Südmauer des Gartens
Informationen und Bilder zur „Odyssee“ der Skulptur

Freiburger Kartaus
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Die "Regenfrau" 2011
Foto links: Skulptur gesehen von der Klosteranlage aus
Fotos rechts: Skulptur gesehen von der Kartäuserstraße aus
 

Nebengebäude auf dem Klostergelände

Freiburger Kartaus

Von Osten gesehen: links das Sägerhaus, rechts das Stromhäusle, hinter beiden das ehemalige Wirtshaus und im Hintergrund der Meierhof. Ganz vorne rechts ist das südiche Ende des Klostergartens zu sehen.

Meierhof

Der Bauernhof war bis 2012 an Heinz Lebtig verpachtet. Seit 40 Jahren – gerechnet von 2011 aus – war er mit der Kartause verbunden, erst hatten seine Eltern den Hof bewirtschaftet, 1997 übernahm er ihn. Über 2012 wurde der Pachtvertrag nicht mehr verlängert. [siehe: Simone Höhl: Leben im Idyll, BZ 28.5.2011]
Am Südgiebel des in Süd-Nord-Richtung stehenden Gebäudeteils befindet sich ein barocke Konche (Niesche) mit barocker Figur des hl. Vitus – einer der 14 Nothelfer, Gedenktag am 15. Juni.[KeFr1990, Seite 14]

Freiburger Kartaus
Freiburger Kartaus
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Foto links: Blick von Osten auf den Meierhof

Fotos rechts davon: Figur des hl. Vitus am Südgiebel des quer zum Hang stehenden Gebäudeteils
 

Ehemaliges Wirtshaus, Kartäuserstraße 121

Seit 20 Jahren – gerechnet von 2011 aus – wohnt das Ehepaar Eva-Maria Schüle und Wolfram Seitz-Schüle in dem Haus. [siehe: Simone Höhl: Leben im Idyll, BZ 28.5.2011]
Weitere Fotos und Informationen zum Haus

Freiburger Kartaus
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Foto links: Blick vom Südufer der Dreisam auf das ehemalige Wirtshaus

Foto rechts: Blick von Osten auf das ehemalige Wirtshaus
 

Stromschlössle

Situation 2011 [siehe: Simone Höhl: Leben im Idyll, BZ 28.5.2011]: Im "Stromschlössle", einem alten Wasserkraftwerk, steht eine moderne Anlage, die Trinkwasser nach oben ins Johannisheim und die Großküche im Klostergebäude pumpt. Auch die alte Turbinenanlage, die einst die ganze Kartause und zum Teil Littenweiler mit Strom versorgte, ist noch vorhanden. Die Turbine wurde durch das Dreisamwasser eines Gewerbekanals, dem Mühlenkanal, angetrieben, der am Wehr auf der Höhe der Jugendherberge von der Dreisam abzweigt, parallel zur Kartäuserstraße fliest und am Sandfang wieder in die Dreisam geführt wird.
Weitere Fotos und Informationen zum Haus

Freiburger Kartaus
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Foto links: Blick vom Süden auf das Stromhäusle

Foto rechts: Blick vom Süden auf das Stromhäusle
 

Sägerhaus

Im Haus wohnte Roland Schüle. Bis 2001 war er Hausmeister im Johannisheim. Im "Stromschlössle", dem alten Wasserkraftwerk, sieht er täglich nach dem Rechten. [siehe: Simone Höhl: Leben im Idyll, BZ 28.5.2011]

Historisches zur Freiburger Kartause

Freiburger Kartaus

Ölgemälde vor 1753, Klosterneuburg

1346 – 1648Der Freiburger Bürgermeister Johannes Schnewlin-
Bernlapp schenkt Mönchen des katholischen
Kartäuser-Ordens, die aus Grenoble/Frankreich
kamen, Wald und Gelände an der Südost-Seite des
Schlossbergs oberhalb der Dreisam. Es entstanden
zwei Mönchszellen.
1496 – 1648Der Hochschullehrer Georg Reisch von der Universität
Freiburg tritt als Mönch in das Kartäuserkloster ein.
Sein Schüler ist u.a. Martin Waldseemüller, er gibt
dem von Columbus 1492 entdeckten Erdteil den
Namen Amerika.
1502 – 1520Georg Reisch ist Prior des Klosters. Unter seiner
Leitung erlebt das Kloster seine Blütezeit. Es werden
die Kirche und das Refektorium gebaut.

Freiburger Kartaus

Kupferstich der Kartause von Peter Mayer, 1771

1618 – 1648Dreißigjähriger Krieg: Verwüstung des Klosters durch das
schwedische Heer.
1745 – 1770Bau des Meierhofs in verschiedenen Abschnitten. Kerngebäude,
L-förmiger Ausbau, Anbau der Remise in Nord-West-Richtung.
1753 – 1756Errichtung der barocken, dreiflügligen Prälatur (Konventsge-
bäude) und eines Gästetrakts.
1782 – 1648Aufhebung der Klostergemeinschaft auf Anordnung des öster-
reichischen Kaisers Joseph II. Die Klosteranlage samt
Ländereien werden Privatbesitz, dienen als Adels-Landsitz. Der
Kreuzgang mit den Zellen werden zu Gunsten eines Parks abge-
rissen. Die Kirche und Verwaltungsgebäude bleiben stehen.
1887Der Pfarrer und Dichter Heinrich Hansjakob lebt in der Kartause.
Die von ihm bewohnten Räume sind heute als Erinnerungsräume
gestaltet.
1894Erwerb der Ländereien und Gebäude durch die Heiliggeistspital-
stiftung Freiburg zum Umbau der Gebäude in ein Altenheim und
zur Selbstversorgung des Heiliggeistspitales mit Naturalien.
1907Das Wasserkraftwerk („Stromschlössle“) am Mühlenkanal wird erbaut.
1966-68Bau des Johannisheims als Alten- und Pflegeheim westlich des Klosterhauptgebäudes.
2008Ende des Jahres wird das Altenheim in den Klostergebäuden geschlossen, die Bewohner ziehen
in das neue Heim „Haus Katharina Egg“ in Freiburg-Waldsee ein.

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Februar 2018