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Gassenbauernhofmühle - Zastlertal

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Die Gassenbauernhofmühle im Zastlertal nach der sommerlichen, monatlichen Führung am Freitag, den 7. August 2015, einem sehr heißen Sommertag.

Die Gassenbauernhofmühle, eine Getreidemühle aus dem 18. Jahrhundert, liegt im Zastlertal rund 4 km vom Taleingang bei Oberried entfernt auf der Nordseite des Tales. Der namengebende Gassenbauernhof, zu dem die Mühle früher gehörte, liegt auf der gegenüberliegenden südlichen Talseite.

Die Mühle gehört seit 2011 der Gemeinde Oberried und wird vom Bürgerverein Zastler e.V. betreut. Dieser sanierte die Mühle zwischen 2011 und 2014. Seit Pfingsten 2014 ist sie wieder voll funktionsfähig. Zu erleben ist dies bei den Führungen, die der Zastler Bürgerverein anbietet. Führungen finden in den Sommermonaten monatlich einmal, jeweils am 1. Freitag des Monats, statt. Angekündigt werden sie in der Presse und im Internet (z.B. Gemeinde Oberried). Führungen außerhalb dieser Zeit können mit Theo Hirschbihl, 07661-989 230, vereinbart werden.


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Südseite der Mühle mit dem Eingang.
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Talabwärts gerichtete Westseite der Mühle mit Wasserkähner und Wasserrad. Rückseite der Mühle mit dem vom Hang kommenden Wasserkähner.

Rund um die Mühle

Das Mühlengebäude steht auf einer großflächigen Wiese nördlich vom Zastlerbach vor dem Wald unterhalb des Talnordhangs, unter dem Scheibenfelsen. Talabwärts und talaufwärts nahe der Mühle befinden sich zwei Feuchtbiotope, die während der Sanierungsphase der Mühle angelegt wurden. Gespeist werden sie vom Wasser, welches auch das Mühlrad antreibt.
Das Wasser zum Antrieben der Mühle kommt vom Zastlerbach. Es wird talaufwärts auf der Höhe des Gemshäusle vom Bach abgezweigt und über einen künstlichen Kanal im Wald entlang des nördlichen Talrandes zur Mühle geleitet. Vom Talrand führt ein hölzernen Kähner (alemannisch für Rinne) das Wasser zum Mühlrad.

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Staustufe des Zastlerbachs auf der Höhe des Gemsenhäusle und Stellfalle.
Bei geöffneter Stellfalle fließt Zastlerbach-Wasser durch den künstlichen Kanal zur Gassenbauernhofmühle.
Eine Engstelle des Kanals, gesehen gegen die Fließrichtung.


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Ruhiger, gleichmäßiger Wasserverlauf entlang des Waldrands, gesehen gegen die Fließrichtung.

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Foto links:
Abzweigung der Wasserzuführung zum oberen Feuchtbiotop östlich der Mühle. Der Kanal zur Mühle verläuft parallel zum unteren Bildrand.

Foto rechts:
Nach einem scharfen Linksknick des Kanals fließt sein Wasser über einen Holzkähner der Mühle zu. Der Kähner wurde in der Sanierungsphase ganz neu errichtet, der ursprüngliche war vollkommen zerfallen.

Das Mühlengebäude

Das Mühlengebäude steht fast parallel zum Rand des Zastlertals, also in westöstlicher Richtung.
Auf der Seite talabwärts befindet sich außen, unter dem überstehenden Dach des Gebäudes das große Wasserrad, das ein Durchmesser von rund 5 m besitzt. Der Wasser strömt über den Kähner, vom nördlichen Talhang kommend, durch das Dach von oben auf das Rad: oberschlächtiges Wasserrad.
Ist die Mühle nicht in Betrieb führt der Kähner – unter dem Dach in Metall ausgeführt – das Wasser über das Mühlrad hinaus. Zum Betrieb wird ein Zwischenstück des Kähners über dem Wasserrad nach unten geöffnet. Das Gewicht des Wasser, das dann in die Tröge des Rades fällt, zusammen mit seiner Bewegungsenergie versetzt dann das Wasserrad in gleichmäßige Drehbewegung. Die Achse des Wasserrads, der Wellbaum, überträgt seine Bewegung und Kraft ins Innere der Mühle.


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Achse des Wasserrads (Wellbaum): Sie bewegt sich seit der Sanierung reibungsarm in einem Kugellager. Dieses befindet sich im Kasten, der links auf dem Foto zu sehen ist. Tröge des Wasserrads. Das Wasser schießt über das Rad hinweg: Die Mühle ist nicht in Betrieb. Zwischenstück des Kähners ist nach unten geneigt: Das Wasser trifft das Wasserrad und hält es in Bewegung.
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Mühle

Der Zugang zum Mühleninneren mit einer bei der Sanierung neu angelegten Außentreppe befindet sich auf der Südseite des Gebäudes. Im Inneren, links vom Eingang, ist der große Mühlenraum, der Raum indem sich das Mahlwerk, sein Antrieb sowie der Mehlkasten auf drei verschiedenen Ebenen befinden. Rechts vom Eingang, durch eine Holzwand vom Mühlenraum getrennt, tritt man durch eine Tür in die Müllerstube. Hierher konnte sich der Müller zurückziehen, wenn die Mühle mit Getreide gefüllt war und ihre Arbeit verrichtete. Durch zwei Fenster an der Ostseite, talaufwärts, fällt das Außenlicht in die Stube. An der Außenwand zwischen diesen beiden Fenstern sind drei Solarpanels angebracht, die Strom für die Innenbeleuchtung von Mühlenraum und Stube liefern.

Ostfassade der Mühle


Betrieb der Getreidemühle

Das über den Kähner aufs Wasserrad strömende Wasser setzt dieses in eine gleichmäßige Drehbewegung. Diese Bewegung wird über den Wellbaum ins Mühleninnere übertragen. Im Mühleninneren wird diese Drehbewegung mit horizontaler Achse über ein großes, hölzernes, auf dem Wellbaum befestigtes Kammrad, dass in die Zähne eines Stockrads mit vertikaler Achse greift, in eine Drehbewegung mit vertikaler Achse umgeleitet. Dieser Antrieb mit Wellbaum, Kammrad und Stockrad befindet sich auf der untersten Ebene des Mühlenraums.


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Wellbaum im Mühleninneren: rechts das große, hölzerne Kammrad. Jeder der 84 Eichenholzzähne ist während der Sanierung neu angefertigt worden!
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Detail des Kammrads: Felge mit eingesetzen Eichenholzzähnen.
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Über die Zähne des Kammrads wird seine Bewegung auf das Stockrad mit vertikaler Achse übertragen. Über diese Achse wird der obere der beiden Mühlsteine bewegt.
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Die Achse des Stockrads reicht bis in die oberste Ebene des Mühlenraums, eine Galerie auf der das eigentliche Mahlwerk (Mahlgang, mehr Informationen dazu in Wikipedia) steht.
Das Mahlwerk besteht aus dem Einfülltrichter für die zu mahlenden Getreidekörner, dem Rüttelkasten und den zwei waagrecht übereinander befindlichen Mühlsteinen, dem oberen, dem Läuferstein, und dem unterem, dem Bodenstein.
Der Bodenstein ist unbeweglich, kann aber mittels einer Spindel gehoben und gesenkt werden, um den Spalt zwischen den beiden Mühlsteinen zu vergrößern oder zu verkleinern. Der Läuferstein ist auf der Achse des Stockrads befestigt und wird über diese in kreisende Bewegung versetzt. Durch seine Bewegung wird das Getreide zwischen dem Boden- und dem Läuferstein gemahlen: Die Körner von der Schale befreit – die Kleie – und das Körnerinnere zu Mehl zerrieben.
Der Läuferstein befindet sich versteckt in einer hölzernen, kreisförmigen Zargen. In ihr wird die Kleie und das Mehl gesammelt und über das Mehlrohr in den darunterstehenden Mehlkasten geleitet.
Auf dem Foto ist das Mehlrohr, dass aus der Zarge führt nicht zu sehen.AEs wird vom Geländer verdeckt.A

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Mahlwerk der Getreidemühle, nicht mehr auf dem Foto der unterste Mühlstein, der Boden-stein, sowie das Mehlrohr.
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Die beiden Mühlsteine, unten der unbewegliche Bodenstein, in der Holzzarge darüber der bewegliche Läuferstein. Beide Steine sind aus Sandstein und wiegen zusammen rund 1.200 kg.
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Detail am Rüttelstuhl: Hemmrad aus Holz für die Welle auf der die Bänder für den Rüttelkasten gewickelt sind. Der Rüttelkasten befindet sich unter dem Einfülltrichter und hängt an diesen Bändern.

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Das in den Einfülltrichter gegeben Getreide wird über den Rüttelkasten auf den Bodenstein verteilt. Die Getreidekörner fließen dazu über eine Schnauze des Rüttelkastens, die sich mit dem Kasten hin und her bewegt, in die breite Öffnung der Holzzarge des Läufersteins – siehe dazu nebenstehendes Foto.
Deutlich ist auf dem Foto auch die Aufhängung des Rüttelkastens zu sehen.

Der Mehlkasten steht in der mittleren Ebene des Mühlenraums. Im Mehlkasten befindet sich als zentrales Element eine sechseckige, drehbare Trommel in die das Mehl-Kleie-Gemisch gelangt. Die Trommel ist mit einem siebähnlichen Tuch bespannt.
Mühle Bei der Trommeldrehung fällt das Mehl durch das Tuch in den Mehlkasten. Die in der Trommel verbleibende Kleie gelangt, da die Trommel eine Gefälle hat, zur Frontseite des Mehlkastens und wird dort über den Kleiekotzer – einem geschnitzten Gesicht – durch dessen breites Maul ins Kleietrögle „ausgekotzt“.

Da der ursprüngliche Kleikotzer verschwunden ist, wurde er nach alten Fotografien von Gustav Zähringer neu geschnitzt.



Nutzung der Wasserkraft auf dem Gassenbauernhof

Auf dem Wellenbaum sitzt direkt an der Außenwand des Mühlenraums ein großes eisernes Kammrad. Dieses überträgt über ein horizontales Zahnrad die Drehbewegung auf eine vertikale Achse, an derem oberen Ende Zahnräder die Drehbewegung zurück in eine Drehbewegung mit horizontaler Achse übertragen. Auf dieser Achse sitzt ein großes, eisernes Schwungrad mit gerillter Felge. Heutzutage läuft es leer mit, früher bewegte es ein Transmissionsseil, dass durch das Dach über das Tal hinweg Bewegung und Kraft in eine Scheune des Gassenbauernhofs leitete. Dort standen Maschinen zum Dreschen von Getreide und zum Sägen von Brennholz, die über das Transmissionsseil von der Mühle aus betrieben wurden. Heute erinnern von außen nur noch die beiden Luken auf dem Dach der Mühle an das Seilpaar dieser Kraft- und Bewegungsübertragung.


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Wellbaum im Mühleninneren: links ein eisernes Kammrad, das seine Drehbewegung über ein Stockrad (im Foto rechts hinter dem Kammrad zu erkennen) an eine Drehbewegung um die vertikale Achse des Stockrads weitergibt. (jeweils rechts das hölzerne Kammrad für das Mahlwerk) Am Ende der vertikalen Achse ein weiteres Kammrad.

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Schwungrad mit gerillter Felge zur Aufnahme eines Transmissionsseiles


Fotos rechts: Dach der Mühle mit den Luken, durch die das Transmissionsseil geführt wurde.

Historische Daten

1770 - Bau der Mühle gegenüber vom Gassenbauernhof auf der Nordseite des Zastlertals.
1927 - Der private Gassenbauernhof wird mit seinen Nebengebäuden an den Staat verkauft und wird danach von der
1927 - staatliche Forstverwaltung genutzt. Der zum Hof gehörende Stollenbacherhof wird von der Gemeinde
1927 - Oberried erworben.
1980 - Renovierung der Mühle.
2011 - Die Gemeinde Oberried erwirbt am 30. März 2011 die Mühle des Gassenbauernhofs für einen symbolischen
2011 - Euro von der Forstverwaltung des Landes Baden-Württemberg. Der Bürgerverein Zastler e.V. – gegründet
2011 - 2010 – betreut die Mühle.
2014 - Eröffnung der grundsanierten Mühle durch den Bürgerverein Zastler e.V. am Pfingstmontag, dem jährlichen,
2014 - deutschlandweiten Mühlentag (9. Juni 2014).


Links und Literatur für verwendete und zusätzliche Informationen




August 2015